Theaterarbeit an der Martin-Luther-King-Schule 1. Voraussetzungen Um Theater zu spielen, benötigen die Schülerinnen und Schüler keine Vorkenntnisse, besondere Fähigkeiten oder Begabungen. Die Freude an der Darstellung und Spaß an der Sache reichen völlig aus. Um Theaterarbeit anbieten zu können, sind einige Vorüberlegungen und Voraussetzungen zu beachten: Wie können die finanziellen Mittel beschafft werden, um externe Theaterpädagogen zu bezahlen? Können regelmäßige Proben eingerichtet werden? Sind diese im Stundenplan implementiert oder finden sie im Freizeitbereich statt? Werden Schüler sich verpflichtet fühlen, regelmäßig an einem Wahlangebot teilzu-nehmen oder sich ggf. abzumelden? Wie wird aus einer Truppe von Schülerinnen und Schülern verschiedener Klassen und Stufen ein „Ensemble“? Gibt es einen Proben- bzw. Aufführungsraum, der regelmäßig und störungsfrei ge-nutzt werden kann? 2. Ziele der Theaterarbeit an der Martin-Luther-King-Schule Theaterarbeit verfolgt den Ansatz eines interdisziplinären Lernens in enger Verbin-dung mit den Fächern Deutsch, Kunst und Musik. Theaterspielen stellt pädagogisch die ideale Form interkulturellen Lernens dar.  Schülerinnen und Schüler mit und ohne Zuwanderungsgeschichte erfahren, dass ihre      kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt eine Stärke und Ressource darstellen kann,       aus der sie schöpfen können. Theaterspielen orientiert sich an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, nach deren Wünschen, Vorstellungen und Möglichkeiten ein Stück ausgewählt bzw. konzipiert wird. Theaterarbeit - regt die Fantasie an, - fördert die Merkfähigkeit, - eröffnet neue Formen des verbalen und nonverbalen Ausdrucks, - fördert die Konzentrationsfähigkeit und Lernbereitschaft, - unterstützt den Kontakt zu anderen, erhöht die Wahrnehmungsfähigkeit und den respektvollen Umgang, - fördert die Selbstpräsentation, die Selbstakzeptanz und damit auch die Fähigkeit, sich selbst realistisch einzuschätzen, - erfordert Disziplin und Verantwortungsbereitschaft. In den Theaterrollen sollen die Teilnehmer körperliche Aktion, Präsenz und angemessenes Verhalten trainieren. Das Trainieren von Verhaltensmustern, Sozialverhalten, freier Rede und Aussprache im theatralen Spiel ist nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Lebensrealität von großem Nutzen. Es dient zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche und bei der Planung einer beruflichen Perspektive. Somit fördert die Theaterarbeit die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen, die wiede-rum eine wichtige Startbedingung für die Entfaltung der Persönlichkeit, für die Mitgestaltung gesellschaftlicher Prozesse und für eine berufliche Perspektive sind. 3. Erwerb von sozialen Kompetenzen durch Theaterarbeit Jugendliche leben heute in einer Gesellschaft, die an sie hohe Anforderungen stellt. Sie müssen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und es angesichts sozialer, kultu-reller und wirtschaftlicher Veränderungen immer wieder neu gestalten: sei es bei der Bewältigung von alltäglichen Situationen in der Familie, in der Freizeit, in der Schule oder bei der Planung einer beruflichen Perspektive. Um auf diese Situationen in per-sönlicher und beruflicher Hinsicht adäquat reagieren zu können, benötigen Jugendliche soziale Kompetenzen, die sie u.a. in der Theaterarbeit erwerben können. Sozialkompetenzen werden hier verstanden als Möglichkeit, kommunikativ und kooperativ selbstorganisiert zu handeln, d.h. sich mit anderen Menschen kreativ aus-einander- und zusammensetzen, sich gruppen- und beziehungsorientiert zu verhalten. Jugendlichen zeigen in der Theaterarbeit Empathie, wenn sie sich in die Lage einer anderen Person oder Rolle hineinversetzen, Rollen auf verschiedene Arten umsetzen und Gefühle mit dem Körper ausdrücken können. Sie beweisen Verantwortungsbereitschaft, wenn sie eigene Bedürfnisse, Ansprüche und Anforderungen vor dem Hintergrund des Gruppenprozesses entwickeln und die Konsequenzen bedenken und sich für den Erfolg eines Stückes verantwortlich fühlen. Die Jugendlichen zeigen Teamgeist und Kooperationsbereitschaft, wenn sie mit anderen auf das gemeinsame Ziel der Aufführung hinarbeiten und die eigenen Fähigkeiten konstruktiv einbringen sowie faires und kollegiales Verhalten auch in schwierigen Phasen zeigen. Konfliktfähigkeit üben die Schülerinnen und Schüler, indem sie unterschiedliche An-sichten und Probleme offen  ansprechen und gemeinsam eine konstruktive Lösung finden, indem sie sich am Gestaltungsprozess beteiligen, auch wenn es nicht immer reibungslos läuft und indem sie bei der Erarbeitung des Stückes Korrekturen durch die Theaterpädagogin aushalten und annehmen können. Besonders jedoch wird durch die Theaterarbeit die Kommunikationsfähigkeit gekoppelt mit Überzeugungsfähigkeit geschult. Die Jugendlichen entwickeln die Fähigkeit, frei sprechen zu können, gemeinsame Ziele vereinbaren können und Kommunikation als Methode der Zusammenarbeit nutzen zu können. Sie lernen, ihre Meinung, den eigenen Geschmack, das eigene Gefühl durch das Theaterspiel auszudrücken und Nonverbalität abzubauen. Die Jugendlichen lernen eine Rolle so zu spielen, dass sie für den Zuschauer nachvollziehbar und eindrücklich wird. 4. Organisation Bereits seit dem Jahr 2006 gibt es eine theaterpädagogische Kooperation zwischen dem AGORA-Kulturzentrum und der Martin-Luther-King-Schule. Das Kulturzentrum AGORA ist ein seit über 20 Jahren bestehendes Kultur- und Begegnungszentrum in Trägerschaft der Griechischen Gemeinde Castrop-Rauxel e.V. Es befindet sich auf einem ehemaligen Zechengelände im Stadtteil Ickern und verfügt über ein eigenes Amphitheater und Kulturcafé sowie über einen Tanzraum, Jugendcafé, einem Internet-Café, diverse Seminarräume und einen eigenen Spielplatz. In Zusammenarbeit von Theaterpädagogen und Lehrern findet im Rahmen des regulären Unterrichts  - als Projekt organisiert -  für interessierte Schüler der Mittel- und Oberstufe jährlich ein Theaterangebot statt. Die Stunden der Theaterpädagogn werden durch Landesprogramme wie „Kultur und Schule“ oder andere Wettbewerbsgelder finanziert. Jeweils einmal wöchentlich finden die Proben im Musik- oder Klassenraum der Martin-Luther-King-Schule statt. Im Verlauf der Theaterarbeit dienen jedoch auch das Amphitheater in Ickern als auch das Studio des Westfälischen Landestheaters in Castrop-Rauxel als Proben- und Aufführungsraum. Das Theaterangebot erstreckt sich i.d.R über ein Schuljahr und enden mit einer Aufführung vor Publikum. 5. Praktische Umsetzungsbeispiele Initialzündung für die Kooperation zwischen der Martin-Luther-King-Schule und den Theaterpädagoginnen der AGORA war das theaterpädagogische Lernprojekt zur Ausstellung „Zuhause ist einfach, wo ich lebe“, an dem im Frühjahr 2006 insgesamt 90 Schülerinnen und Schüler der MLK teilnahmen. Im Frühjahr 2007 wurden im Studio des Westfälischen Landestheater in Castrop- Rauxel die Ergebnisse der Tanz- Theater-Werkstatt „Without Words -  eine Tanztheaterreise um Worte und Gesten, die Krieg machen“ präsentiert. Es entstand eine theatrale Bilderfolge, in der die Schüler Geschichten rund um die Gewaltbereitschaft Jugendlicher mit und ohne Zuwanderungsgeschichte für ein Publikum Gleichaltriger erzählten. Im Schuljahr 2007/2008 entwickelten das Multi-Kulti Jugendtheater (IBKF e.V.), Theatero Odysseus Schwestern, die Theatergruppe der Martin-Luther-King-Schule sowie die der Willy-Brandt-Gesamtschule ihre Tanz- und Theaterszenen zu der Geschichte von „Momo – oder das Geheimnis der Zeit“ nach Michael Ende,  die im Mai 2008 in einer Werkstattschau im Amphitheater in Ickern vor Publikum zusammengefügt wurden. Im Schuljahr 2008/2009 fand das Theaterprojekt „Odysseus kam bis Ithaka“ statt, das im Studio des WLT im September 2009 aufgeführt wurde. Die theatrale Reise mit Masken, RAP und STOMP zeigte auf, was das Leben von Jugendlichen in Castrop-Rauxel im Jahr 2009 mit der zehnjährigen Irrfahrt des Odysseus aus der mehrere tausend Jahre alten griechischen Dichtung gemeinsam hat. Die Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe gingen den geheimnisvollen Begebenheiten des antiken Helden Odysseus nach und fanden erstaunliche Parallelen mit den Herausforderungen, vor denen Jugendliche heute stehen. Das Theaterprojekt schaffte zudem eine weitere kulturelle Qualität der begonnenen kulturellen Kooperation. Da das Konzept für eine Förderung aus dem Fond “Lebenskunst Lernen“ ausgewählt wurde, bildete die Martin- Luther-King-Schule gemeinsam mit 15 weiteren Bildungspartnerschaften  mit dem Projekt „Odysseus kam bis Ithaka“ die bundesweite „Lebenskunst Lernen Werkstatt“, die die praktische Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen fördert. Zur Unterstützung der individuellen Förderung der Jugendlichen wurden die Mitarbeiter der Bildungspartnerschaften zur Berater für den Kompetenznachweis Kultur (KNK) fortgebildet. Als Berater begleiteten sie die Schüler darin, ihre individuellen Entwicklungsschritte und Stärken zu erkennen. Die Jugendlichen des Projektes, die aktiv und über das ganze Jahr an dem Theaterprojekt beteiligt waren, hatten die Möglichkeit, den Kompetenznachweis zu erwerben. Sechs Schülerinnen und Schüler wurde der KNK nach der erfolgreichen Theaterarbeit ausgestellt.
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